Vortrag  /  4.3.2015, 19:30 Uhr

"Von wilden und zamen Fürwercken“ - Schießpulver und Feuerwerk im Mittelalter

Dipl. Rest. Heiner Grieb, Restaurator für Kunsthandwerk und historische Waffen in der Veste Coburg

Mit Feuerwerk begrüßen die Menschen an Silvester das neue Jahr. Es darf bei keinem richtigen Fest fehlen. Geböllert wird rund um den Erdball. Farbenprächtig und laut. Wenn heute von „Feuerwerk“ die Rede ist, leuchten die Augen und man freut sich auf ein fröhliches Spektakel.

In alter Zeit konnte der Begriff jedoch auch das Gegenteil bewirken, denn neben dem „zahmen“ Kunstfeuerwerk gab es das „wilde“ Kriegsfeuerwerk, das zerstörerisch und höchst bedrohlich war. Dann entzündeten Pechkränze und Feuerballen Hausdächer, Sturmtöpfe explodierten und verteilten ätzende Staubwolken, Mordschläge und Traubenhagel brachten Tod und Verderben.
Historische Feuerwerksgegenstände haben sich ihrer Natur als Verbrauchsmaterial gemäß selten erhalten. Eine Ausnahme bilden jene auf der Veste Coburg: Durch glückliche Umstände verfügt sie heute über einen der größten Bestände weltweit. Die Sammlung umfasst nahezu alle bekannten Arten: von Pechkränzen, Sturmtöpfen, Licht- und Feuerballen, über Handgranaten und Brandpfeile bis hin zu Exoten wie Fallgranaten, die nur in wenigen Originalen belegt sind. Dies ist Anlass genug, den Bestand in einem Forschungsprojekt unter technikgeschichtlichen und chemiehistorischen Gesichtspunkten zu beleuchten.

Der Vortrag berichtet von dieser Forschungsarbeit. Er legt einen Schwerpunkt auf die experimentelle Rekonstruktion der überlieferten Realien und auf die Rezepturen, die der historischen Feuerwerksliteratur entnommen werden können: Eine Geschichte von Pech und Schwefel, Feuer, Blitz und Pulverdampf.